Interview mit Visions of Young Europeans

Foto von Rainer Kurzeder. Von links nach rechts: Simon Lewien, Franka Köppe, Felix Heilmann, Finn Pohl, Johanna Otterbein

Europa – ein Thema, das uns als kulturelle Institution in der deutsch-französischen Welt viel beschäftigt.

Wir möchten euch ein berliner Projekt von fünf jungen Leuten vorstellen, die von der europäischen Idee begeistert sind.

Hier erfahrt ihr, wie man sich als junger Mensch für Europa einsetzen kann!

Was ist Visions of Young Europeans (VOYE), und wer sind die Personen, die dahinter stehen?

Visions of Young Europeans (VOYE) ist eine Initiative von 5 jungen Erwachsenen, die insbesondere eine Sache gemeinsam haben: ihre Überzeugung von einem kulturell und politisch eng verbundenen Europa. Kennengelernt haben wir ‒ Franka, Finn und Simon ‒ uns im Herbst 2019 während eines Diskussionsabends in Berlin. Dort hatten wir erstmals den Gedanken erwogen, uns für Europa einzusetzen. Aber wie? Organisiert wurde die Veranstaltung von der tjfbg, bei der Johanna, Simon und Felix auch ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren. Über ein Seminar zur Projektentwicklung im Rahmen dieses FSJ hat sich unsere Gruppe gebildet und wir haben mit der Planung unserer Begegnungswoche begonnen.

Für wen ist das Projekt, und warum habt ihr diese Zielgruppe ausgewählt?

Wir haben gemerkt, dass sich ein Großteil der jungen Menschen mit dem europäischen Gedanken bzw. der Europäische Union (EU) nicht viel beschäftigt. Trotzdem können sie ‒ und so geht es auch uns ‒ sich die über die Jahre gewonnen europäischen Errungenschaften nicht aus ihrem alltäglichen Leben wegdenken. Mal eben über die Grenze nach Frankreich? Kein Problem, denn wir genießen Reisefreiheit in ganz Europa. Nur Euros dabei. Oh ja, die nehmen die Leute ja fast überall in Europa. Das war nicht immer so? Schwer vorstellbar. Unsere Zielgruppe ist unsere Generation, die mit einem integrierten Europa und seinen Vorzügen aufgewachsen ist. Wir wünschen uns, dass sich auch in der Zukunft Menschen für mehr Zusammenarbeit und Solidarität auf unserem Kontinent einsetzen. Eine Rückkehr zum konventionellen Nationalstaat des 20. Jahrhunderts? Ein Albtraum. Deshalb wollen wir auch jungen Menschen, die noch nicht von Europa profitieren konnten, mit unserer Begegnungswoche Zugang zu internationalen Kontakten verschaffen. Sie sollen sich austauschen können und zusammen Spaß haben. Wir glauben: Nur wer Europa am eigenen Leib erfährt, kann damit etwas anfangen.

Was bedeutet es, sich für Europa zu engagieren? Seid ihr auf spezielle Schwierigkeiten gestoßen? Wenn ja, welche? Wie habt ihr sie überwunden?

Es gibt so viele Arten sich zu engagieren: mit Kunst- oder Protestaktionen, wie z. B. das sogenannte EU-Supergirl Madeleina Kay, bis hin zur Organisation von Diskussionsrunden, sogenannten HausParlamenten, wie es Pulse of Europe macht. Es ist also wichtig genau zu definieren, was man erreichen will und wie. Schnell haben wir auch festgestellt, dass wir unser Vorhaben ganz alleine nicht umsetzen können. Ein großer Bestandteil unserer Arbeit besteht darin, Kontakte mit Menschen und Organisationen zu knüpfen, die uns weiterhelfen können. Sei es mit finanziellen Mitteln oder einem Netzwerk, über das wir unsere Zielgruppe erreichen. Wer viel Eigeninitiative zeigt und direkt auf Menschen zugeht, kommt dann auch weiter. Denn in Deutschland gibt es viele Projekte und Organisationen, die junges Engagement fördern. Und es werden bei Weitem nicht alle Fördertöpfe komplett ausgeschöpft. Schwieriger wird es dann schon bei der konkreten Planung unserer Begegnungswoche: Wo werden die Teilnehmer*innen schlafen? Wie versorgen wir sie? Logistische Fragen müssen mit viel Vorlauf minutiös geplant werden, damit alles funktioniert, wenn es darauf ankommt.

Wie haben euch euer Projekt und euer Engagement für Europa persönlich weitergebracht?

Mit unserem Einsatz haben wir einen Einblick in ehrenamtliches Engagement, internationales Eventmanagement und Öffentlichkeitsarbeit gesammelt. Hätte uns jemand vor einem Jahr die Frage gestellt, wie man sich für Europa engagiert, hätten wir wohl nicht viel sagen können. Heute hätten wir eine Liste mit Vorschlägen. Wir haben auch viele wertvolle organisatorische Fähigkeiten erworben. Unser Fazit: Engagement und aktive Mitarbeit lohnt sich, und sei es auch nur für die persönliche Entwicklung. Auch wenn etwas schief geht, verlorene Zeit ist es nie.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft eures Projekts?

Es ist kein Geheimnis, dass Europa gerade an einem Scheideweg steht. Nicht zuletzt durch den Brexit, den Aufstieg der radikalen Rechten und die wachsende Ungleichheit zwischen den Ländern und Regionen Europas. Wir denken, dass es genau jetzt wichtig ist, sich solidarisch zu zeigen und sich politisch einzusetzen. Die Zukunft unseres Projekts ist ungewiss, denn für viele in unserer Gruppe beginnt in diesem Jahr ein neuer Lebensabschnitt. Hinzu kommt, dass die Corona-Pandemie seit diesem Frühling alle langfristigen Reise- und Veranstaltungspläne erschwert. Wir haben bereits einige Treffen digital organisiert. Eine Online-Konferenz lässt sich jedoch nicht mit einer realen Begegnungswoche mit den Menschen vor Ort vergleichen. Sicher ist: Europa wird für uns immer ein Thema bleiben.