Interview mit Toi d’Europe

Erinnert ihr euch noch an Toi d’Europe? Im letzten Jahr hatten wir das Vergnügen eine der Initiatorinnen des Projekts, Sophie Hériaud, für eine Vorstellung ihrer Dokumentation „Toi d’Europe“ im Info-Café empfangen zu dürfen.

Wir haben uns im Rahmen eines Interviews näher erkundigt, wie die Idee zum Projekt entstanden ist, wie die beiden Schwestern ihre Interview-Reise durch Europa organisiert haben und in welche Richtung sie mit Toi d’Europe in Zukunft gehen wollen.

Was ist Toi d’Europe und wer sind die Personen, die dahinterstehen?

„Toi d’Europe“ ist ein journalistisches Projekt, dessen Ziel es ist, die Erwartungen junger Europäer*innen zwischen 18 und 35 Jahren für die Zukunft der Europäischen Union (EU) zu verbreiten. Über mehr als drei Jahre haben wir in 23 europäischen Ländern junge Leute interviewt. Daraus ist eine Dokumentation und eine Internet-Dokumentation (Artikel und Video-Reportagen) entstanden. Hinter dieser Initiative stehen wir, zwei Schwestern, die ursprünglich aus der Bretagne in Frankreich stammen. Mathilde ist Unternehmensberaterin und Sophie ist Journalistin.

Was sind eure persönlichen Beweggründe, euch für Europa einzusetzen? Und wie ist daraus die Idee zum Projekt entstanden? Welche Bedeutung spielte dabei die deutsch-französische Freundschaft?

Wir hatten im Rahmen unserer weiterführenden Schulbildung die Möglichkeit in andere europäische Länder zu reisen. Mathilde hat am Brigitte-Sauzay-Programm teilgenommen und für eine Weile in Berlin ein Gymnasium besucht. Sophie ist über das Comenius-Projekt nach Rumänien gegangen. Später haben wir beide mit dem Erasmus-Programm während unseres Studiums ein Auslandssemester gemacht. Mathilde in Madrid, (Spanien) und Sophie in Bremen und Potsdam (Deutschland). Wir sind also über die deutsch-französischen Beziehungen mit der Europa in Berührung gekommen. Mit dem Brexit-Referendum und dem wachsenden Nationalismus in Europa haben wir die Erwartungen unserer Nachbarn an die EU verstehen wollen. Diese Erwartungen wollten wir in verschiedenen Regionen verbreiten um den Informationsfluss und den Dialog zu Europa zu fördern. Die Dokumentation, die wir produziert haben, sammelt diese Meinungen und wurde 2019 bei Podiums-diskussionen und Debatten in Europa (namentlich während einer Tour durch Deutschland) an diversen Orten (Institut Français, Hochschulen, Schulen, Rathäusern, Kinos, Cafés, Gefängnissen usw…) gezeigt.

Wie habt ihr die „Tour“ und die Interviews geplant? Was musstet ihr bedenken?

Im April 2017 haben wir das Projekt „Toi d’Europe“, mit dem Plan in 15 europäische Länder zu reisen, ins Leben gerufen. Im Mai desselben Jahres sind wir nach Groß-britannien gereist, um die ersten Interviews zu filmen. Nach dieser ersten Etappe gab es eine Planänderung. Wir wollten alle Länder der EU besuchen. Also haben wir eine große Reise in den Osten und eine weitere Reise in den Norden Europas unternommen. Andere Länder haben wir in kleineren Etappen an Wochenenden besucht. „Toi d’Europe“ haben wir selbst finanziert. Deshalb mussten wir die Reisen detailliert planen, bevor wir in ein Land reisten. Dazu gehörte u.a. logistische Fragen und die Interviewplanung. Das war häufig kompliziert, da wir nicht alle Länder kannten. Wir haben es geschafft, Interviews mit jungen Leuten aus der ganzen EU zu machen. Mehr als 300 davon haben wir vor Ort, per Telefon, über Skype, oder per E-Mail durchführen können. Wir haben Aufrufe in den sozialen Netzwerken veröffentlicht, interessierte Menschen haben sich dann bei uns gemeldet.

Was hat euch das Projekt gezeigt? Auf welche Grenzen seid ihr gestoßen?

„Toi d’Europe“ war nicht immer einfach, da wir nur zu zweit und rein ehrenamtlich in unserer Freizeit daran arbeiten. Wir konnten nicht so in die Zielländer reisen, wie wir uns das gewünscht hätten. Anfangs hatten wir auch einige Schwierigkeiten Interviewpartner zu finden, denn, man muss es so sagen, Europa ist kein Thema, das viele Menschen interessiert. Und es ist ein sehr komplexes Thema. Durch die Entwicklung des Projekts und die Diskussionen und Debatten, haben wir viele positive Rückmeldungen erhalten. Das hat uns auch sehr angespornt. „Toi d’Europe“ hat letztes Jahr sogar mehrere europäische Preise erhalten. Unsere Rundreise durch Europa hat uns die Möglichkeit eröffnet, anders als sonst üblich über die Europafrage zu informieren: Junge Menschen sprechen mit anderen jungen Menschen. So konnten wir den verschiedenen Ländern Europas „Gesichter geben“. Heute hat sich um „Toi d’Europe“ herum eine ganze Community gebildet. Das, hilft uns dabei, informiert zu bleiben und die aktuellen Geschehnisse in den verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten zu verfolgen. Dies zeigt auch unsere neue Web-Serie über die Coronakrise in Europa.

Wie seht ihr die Zukunft eures Projekts? Wohin soll es sich entwickeln?

Toi d’Europe ist noch lange nicht abgeschlossen. Wir müssen unsere Rundreise durch Europa mit den fünf verbleibenden Ländernvervollständigen (Malta, Zypern, Irland, Portugal und Bulgarien) und das wird das Ende unserer ersten Internet-Serie über die Erwartungen der europäischen Jugend an die EU sein. Danach wollen wir weiterhin an europäischen Begegnungsprojekten teilnehmen und unsere Dokumentation im Rahmen von Podiums-diskussionen zeigen. Denn damit, können wir der europäischen Frage auf eine andere Art und Weise nähern. Jede Veranstaltung ist anders und ermöglicht neue Begegnungen zwischen und mit Bürger*innen aus der ganzen EU. Wegen der gegenwärtigen Gesundheitskrise mussten wir das verschieben. Das hat uns allerdings dazu inspiriert, diese Ausnahmesituation positiv zu nutzen und eine neue Internet-Serie auf die Beine zu stellen, die über die die Covid-19- Krise aus der Perspektive von jungen Leuten informiert. In jeder Episode geht es um ein anderes Land. So trägt jede Folge dazu bei, die Gesamtsituation in der EU mit Berichten junger Leute zwischen 18 und 35 Jahren, darzustellen. Wir werden also „Toi d’Europe“ mit neuen journalistischen Projekten fortsetzen.